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Lieber Leser des Lichtpfad Newsletters
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Karneval ist vorbei und dennoch klingen in meinem Ohr noch die Lieder der Black Fööss, der Räuber, der Höhner, die De Bure und den vielen anderen Musikgruppen, die uns mit ihren Stimmungsliedern Freude und willkommene Ablenkung aus dem Alltag verschaffen. Besondere Freude habe ich immer wieder an den Büttenreden, die von den verschiedensten Rednern vorgetragen werden und den Sinn haben, der Obrigkeit einmal so richtig die Meinung zu sagen. Im Karneval habe ich besonderen Spaß am Bergischen Jung (Wilibert Pauels) über den ich mich einfach kugelig lachen könnte, solchen Spaß bereiten seine Vorträge. Wie man erkennt, bin ich Fan des Kölschen Karnevals, weil er meiner Ansicht nach der Lustigste ist, gegenüber seinem großen Konkurrenten Mainz. Dies ist aber sicherlich Ansichtsache, eben ganz dementsprechend, wo man geboren ist. Das wesentliche ist, der Karneval soll Spaß bereiten und die tollen Tage sollen einmal alle Sorgen vergessen machen. |
Ich selber bin kein aktiver Karnevalist, mehr so ein Couch Jecker, der sich die Prunksitzungen allzu gerne von dort anschaut. Die Narren haben das Zepter seit Altweiber fest in der Hand und nichts kann sie daran hindern, ihre Freude am Karneval einmal im Jahr so richtig zu genießen.
Aschermittwoch, so heißt es ist alles vorbei und es kehrt dann wieder der Alltag ein und jeder ist der, der er wirklich ist, ohne Kostüm und Schminke. So ein Kostüm, ein wenig Farbe, eine Pappnase im Gesicht, kann doch aus einem ganz normalen Menschen einen Jecken machen, der sich vieles traut, was er im normalen Alltagskostüm nicht wagen würde. Karneval ist traditionell ein Fest der Freude und Ausgelassenheit, vor der beginnenden christlichen Fastenzeit. Blättert man ein wenig in der Geschichte des Karnevals, so ist zu bemerken, dass Karneval in vielen Ländern unterschiedlich gefeiert wird. Karneval in Rio, Venedig und Basel haben auch hier eine langjährige Tradition.
Doch leider hat der Karneval auch seine Schattenseiten, die nicht zu verkennen sind. Durch übermäßigen Alkohohlkonsum sinkt die Hemmschwelle für Gewalt jeglicher Art. Am Aschermittwoch heißt es ist alles vorbei, ist es das aber wirklich? Vergessen sind die lustigen Büttenreden, die Schunkellieder und alles das, was Karneval so lustig macht. |
| Jedoch für den einen oder anderen ist mit Aschermittwoch noch längst nicht alles vorbei, denn die Nachwirkungen des ausgelassenen Feierns und Fröhlichseins kommen prompt und mit Nachdruck. Hier scheint das kleinste Übel noch ein Kater zu sein, viel größere Sorgen bereiten hier sicherlich die Auswirkungen einer Schlägerei, die nicht zu selten eben unter dem Einfluss von Alkohohl, begangen werden. Hinzu kommen Unfälle, die zu einem großen Maße den gleichen Verursacher haben, begleitet von viel Unaufmerksamkeit im Karnevalstrubel. |
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Leider sind dieses Jahr im Rheinischen Karneval zwei Todesopfer zu beklagen und zahlreiche Gewalttaten. So zum Beispiel in Köln, wo ein Familienvater vor den Augen seiner vier minderjährigen Kinder brutal zusammengeschlagen wurde, dass er mit schwersten Schädel und Hirnverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden musste und hier auf der Intensivstation um sein Leben kämpft. Die Täter flüchtete mit gerade einmal 50€. In Anbetracht solcher Vorfälle bleiben einem Lockrufe wie "Helau und Alaaf" im Halse stecken. Aus der Statistik der Kölner Polizei geht hervor, dass alleine zu Altweiber über 1100 Einsätze bearbeitet werden mussten, dass ist ein Drittel mehr als im Vorjahr 2006. Die Zahl der Körperverletzungen vervierfachte sich gegenüber dem Vorjahr. |
| Mit dem Höhepunkt des Karnevals am Rosenmontag in den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz eskaliert die Gewalt und viele Narren und Fernsehzuschauer, die die Übertragungen der Rosenmontagszüge am TV Bildschirm verfolgen, bemerken nicht die tumultartigen Szenen vieler gewaltbereiter Jecken. Was mich persönlich an meisten schockiert ist die Tatsache, dass viele Jugendliche stark alkoholisiert am jecken Treiben teilnehmen. Am frühen Rosenmontag Morgen, konnte ich selber beobachten wie eine kleinere Gruppe Jugendlicher, ich schätze sie auf ungefähr 15-17 Jahre, schon stark alkoholisiert auf einem Kinderspielplatz verweilten. Einem Jungen wurde es sogar dermaßen schlecht, dass er sich übergeben musste um das um 9.30h am Morgen. |
Vielleicht sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, wieso die Gewaltbereitschaft, und das nicht nur zu diesem Fest, so groß geworden ist. In vielen Familien ist die wirtschaftliche Lage, bedingt durch Arbeitslosigkeit und Harz IV, extrem angespannt und niemand kann diesen Menschen helfen. Viele Jugendliche leben in der Perspektivlosigkeit ohne Schulabschluss und Ausbildungsplatz. Wo werden sie gebraucht und wo können auch sie ein Ziel ausfindig machen, für das es sich lohnt zu lernen und zu kämpfen?
Sicherlich ist das nur eine Seite der Medaille, denn nur alleine an diesen Missständen können die Gewaltausbrüche zu Karneval oder auch bei Fußballspielen nicht erklärt werden. |
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Der Karneval bietet vielen Menschen die Gelegenheit einmal über die Stränge zu schießen, sich der Wut und Hilflosigkeit ihrer Situation zu entledigen, sei es gegen den allgemein Schwächeren oder auch gegen Ausländer. Vielfach sind sich die Gewaltbereiten gar nicht bewusst, welches Unheil sie im alkoholisierten Zustand anrichten und oftmals ist der Katzenjammer hinterher allzu groß, wenn juristische Konsequenzen folgen. Hinzu kommt das Wissen über eine jenseitige Welt, deren negative Seelen sich an solchen Gewaltausbrüchen ergötzen und ihre helle Freude daran haben. Gleiches zieht Gleiches an und niemanden ist bewusst, welches Ausmaß an Gewalt auch Geistig besteht!! |
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Das Ausmaß an sexuellen Übergriffen zu Karneval, gewollt oder auch ungewollt, hat gerade den Karneval unappetitlich gemacht. Nach dem Motto ..........
"Denn mir sen Kölsche Mädscher,
han Spitzebötzcher [Spitzenhöschen] aan,
mir losse uns net dran fommele,
mir losse keiner dran."
missversteht vielleicht so mancher Mann, was zu Karneval erlaubt ist und was nicht. Ich weiß jetzt nicht, ob es genaue Statistiken darüber gibt, wieviele Kinder zu Karneval ungewollt gezeugt werden, doch ich bin davon überzeugt, dass es sicherlich eine nicht zu geringe Anzahl sein wird.
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Hier ein Zeitungsbericht.......
Nach der Vergewaltigung einer 17 Jahre alten Schülerin hat die Polizei im Ortenaukreis drei nahezu gleichaltrige Jugendliche festgenommen. Sie sollen sich an der 17-Jährigen auf einem öffentlichen Parkplatz nacheinander brutal vergangen haben, teilte die Polizei am Montag in Offenburg mit. Ein vierter Jugendlicher habe die Tat mit seinem Foto-Handy gefilmt und die Bilder anschließend an Freunde verschickt. Der Film diene der Polizei nun als Beweismittel.
Täter und Opfer seien erheblich betrunken gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die mutmaßlichen Täter seien zwischen 16 und 18 Jahre alt. Nach der Tat sei das Mädchen liegen gelassen worden, ohne dass sich jemand um sich kümmerte. Die Jugendlichen kamen in Untersuchungshaft.
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Wie darf und wie kann "Mensch" nun Karneval feiern, ohne den grölenden Jecken, ob jung oder alt, anzugehören? Ist das überhaupt möglich? Wie entziehe ich mich der Versuchung, mit einem Kölsch in der Hand, und einer netten Jecken im Arm, meine Beziehung zu gefährden? Ist denn Aschermittwoch nicht alles vorbei? Sicherlich nicht leicht zu beantwortende Fragen. Karneval gibt meiner Ansicht nach immer weniger Grund zum fröhlich sein, angesichts der beschrieben Gefahren. Die einzigste machbare Möglichkeit sich alledem zu entziehen, ist die Tatsache, dass man der schunkelnden und lärmenden Meute schnell den Rücken kehrt, ehe es zu spät ist.
Tradition in Köln ist es den Nubbel symbolisch in der Nacht zum Aschermittwoch zu verbrennen. Der Nubbel wird für alle die Verfehlungen verantwortlich gemacht, die ein ausgelassenes Karnevalstreiben so nach sich ziehen (kann). Wer ist schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer ist schuld, dass wir fremdgegangen sind? Wiederum grölt die jubelnde Menge, dass der Nubbel daran die Schuld trägt und die "Strohpuppe Nubbel" entkommt nicht ihrer gerechten Strafe. |
Nun, oftmals wird der Jecke es sich nicht so leicht machen können, sich aus der Affäre zu ziehen. Dennoch möchte ich auch zu überlegen geben, dass es auch Karneval geben kann, der friedvoll und lustig zu sein vermag, obwohl er vieler Ort wohl selten geworden ist. |
Hermann
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